Naturwelt Blog

Die Mitfahrbank in Friedland

Naturwelt: Herr Pape, Sie haben in Friedland eine Mitfahrbank eingerichtet. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Hanno Pape: Ich wurde aus der Zivilgesellschaft angesprochen, ob man so etwas nicht auch in Friedland umsetzen könnte. Mitfahrbänke gibt es ja bereits an verschiedenen Orten in Deutschland, und ich hatte sie selbst auch schon gesehen. Ich konnte mir das für Friedland sehr gut vorstellen. Ein Bürger hatte sich angeboten, die Bänke zu bauen beziehungsweise vorhandene Gestelle zu überarbeiten. Wir hatten gerade alte Bänke vom Marktplatz weggeräumt, weil das Holz nach vielen Jahren einfach durch war. Die Metallgestelle waren aber noch in Ordnung, und zwei davon hat er bekommen. Mit dem damaligen Bürgermeister habe ich dann vereinbart, dass wir das als Pilotprojekt ausprobieren, um zu sehen, wie das Konzept hier funktioniert.

Naturwelt: Es hat dann aber etwas gedauert, bis die Mitfahrbank tatsächlich in Betrieb ging.

Hanno Pape: Genau. Die Bänke mussten zunächst fertiggestellt werden, und dann stand schon der Winter vor der Tür. Wir haben deshalb bewusst gewartet und das Projekt schließlich am 9. März gestartet. Grundsätzlich war die Stimmung in der Kommune von Anfang an positiv. Die Kosten waren überschaubar, und ich konnte das Ganze über die Begleitmittel meiner Förderstelle „Koordination kommunaler Entwicklungspolitik“ als eines der Nachhaltigkeitsprojekte realisieren. Die Kostenfrage war damit geklärt, es gab den Wunsch, etwas auszuprobieren – also haben wir es einfach gemacht.

Warum gerade die Strecke Friedland–Niewisch?

Naturwelt: Weshalb haben Sie ausgerechnet die Strecke nach Niewisch ausgewählt? War das eher Zufall oder gab es einen konkreten Bedarf?

Hanno Pape: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen wohnt der beteiligte Bürger in Niewisch. Zum anderen ist es eine kurze und überschaubare Strecke: Man fährt aus Friedland hinaus, biegt an der Wuggelmühle ab, dann geht’s durch Möllen – dass zu Niewisch gehört – und ist im Grunde schon da. Aus touristischer Sicht ist das attraktiv: Man landet direkt vor einem Gasthaus und kann von dort zum Schwielochsee spazieren. Die Mitfahrbank soll einerseits Touristen und Friedländer von Friedland nach Niewisch und zurückbringen. Andererseits war von Anfang an die Idee, ein kleines Netz aufzubauen – perspektivisch etwa mit einer Verbindung nach Beeskow, wo es viele Einkaufsmöglichkeiten gibt, die wir in Friedland nicht haben. Die jetzige Bank ist also ein erster Baustein eines möglichen Netzwerks aus Mitfahrbänken.

Erste Erfahrungen liegen vor – aber der Sommer kommt erst noch

Naturwelt: Seit dem Start ist noch nicht viel Zeit vergangen, und die Temperaturen waren eher frisch. Gibt es trotzdem schon erste Erfahrungen?

Hanno Pape: Ja, es gab bereits erste Nutzerinnen und Nutzer. An der Bank hängen Listen, in die man sich eintragen kann – auf Wunsch auch anonym. Erfasst werden Name oder „anonym“, das Datum, die Wartezeit und ob die Mitnahme geklappt hat. Diese Daten möchte ich auswerten, um nach ungefähr einem Jahr sagen zu können, ob die Bank angenommen wurde und in welchen Zeiträumen sie besonders genutzt wird. Ich gehe davon aus, dass die Nutzung zunimmt, wenn es wärmer wird. Im Moment ist die Resonanz noch eher verhalten, aber das ist bei neuen Angeboten normal: Sie werden anfangs kritisch beäugt. Die Bank steht jedoch da, sieht gut aus, verursacht kaum Aufwand und kann jederzeit genutzt werden.

„Trampen mit Hinsetzen“ – Chancen und Vorbehalte

Naturwelt: Haben Sie im Vorfeld auch mit Autofahrenden gesprochen, ob sie sich vorstellen können, Menschen von der Bank mitzunehmen?

Hanno Pape: Ja, natürlich. Ich kenne das Thema auch aus meiner Familie: Meine Mutter ist früher viel per Anhalter unterwegs gewesen und macht das teilweise heute noch. Für mich war die Mitfahrbank von Anfang an so etwas wie „Trampen im Sitzen“: Man hält nicht den Daumen raus, sondern setzt sich bequem hin und wartet, bis jemand anhält. Und wir haben uns gesagt: Wenn es am Ende nicht gut angenommen wird, haben wir immerhin zwei schöne Sitzbänke für den öffentlichen Raum gewonnen.

Naturwelt: Ein Bürger hat Sie gefragt, was passiert, wenn Kinder sich auf die Mitfahrbank setzen. Wie sehen Sie das?

Hanno Pape: Im Grunde ist das nichts anderes, als wenn Kinder sich irgendwo im öffentlichen Raum auf eine Bank setzen. Ob ein Kind dann in ein Auto einsteigt oder nicht, kann eine Kommune nicht kontrollieren, egal ob dort eine normale Bank oder eine Mitfahrbank steht. Die Bank ist grundsätzlich nicht für Kinder gedacht. Als Mitfahrerin oder Mitfahrer kann man sich ja vorher anschauen, ob es mit der Fahrerin oder dem Fahrer passt.

Naturwelt: Und wie ist die Situation bei der Versicherung?

Hanno Pape: Über die Stadt selbst sind die Mitfahrenden nicht gesondert versichert, so etwas gibt es in dieser Form nicht. Wenn Fahrerinnen oder Fahrer eine Insassenversicherung haben, greift diese natürlich. Kommt es zu einem Unfall, ist es wie bei anderen Mitfahrgelegenheiten: Man ist über die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers mitversichert. Damit sind die relevanten Fälle im Grunde abgedeckt

SDG 11: „Nachhaltige Städte und Gemeinden“

Naturwelt: Im Zusammenhang mit Ihrem Projekt steht der Hinweis auf „SDG 11“. Was verbirgt sich dahinter?

Hanno Pape: SDG 11 steht für „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. Die SDGs – also die Sustainable Development Goals, die nachhaltigen Entwicklungsziele – sind in Deutschland noch nicht so bekannt, dabei sind sie aus meiner Sicht sehr wichtig. Es handelt sich um den einzigen internationalen Zielkatalog für Entwicklung in vielen Bereichen, der von allen Staaten der Welt ratifiziert und verabschiedet wurde. Damit sind die SDGs das verbindlichste Werk, das wir für solche Entwicklungsfragen haben. Unser Projekt zur Mitfahrbank ordnet sich in dieses Ziel 11 ein. Als Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik ist es meine Aufgabe, die SDGs sichtbar zu machen – und ich stehe inhaltlich voll dahinter.

Naturwelt: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Pape.

Die Mitfahrbank in Friedland wurde am 9. März 2026 feierlich eingeweiht. Foto: Karolin Lisiecki. 

Kontakt

Hanno Pape ist seit Juli 2023 Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik der Stadt Friedland (Niederlausitz). In dieser Funktion ist er zentral zuständig für die Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten der Kommune im Sinne der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs), insbesondere die Förderung von Fairem Handel und die Etablierung von Fairer Beschaffung in der Stadtverwaltung. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet er eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie, begleitet konkrete Maßnahmen in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht und stärkt Friedlands Rolle als engagierte Agenda‑2030‑Kommune.

Website Nachhaltigkeit in Friedland

Hanno Pape ist seit Juli 2023 der Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik der Stadt Friedland.